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Google-Unternehmensprofil für Arztpraxen: der stärkste lokale Hebel
Wer „Zahnarzt in meiner Nähe“ sucht, sieht zuerst drei Einträge in einem Kartenausschnitt. Erst darunter beginnen die klassischen Suchergebnisse. Diese drei Plätze entscheiden über einen großen Teil der Anrufe in Ihrer Region — und sie werden nicht über Ihre Webseite vergeben, sondern über Ihr Google-Unternehmensprofil. Es ist kostenlos, in einer Stunde eingerichtet und trotzdem bei den meisten Praxen halb leer.
Ayyoub Zeriouh· 10 Minuten Lesezeit

Was Google für die lokale Reihenfolge auswertet
Google nennt selbst drei Faktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Die Entfernung können Sie nicht beeinflussen — Ihre Praxis steht, wo sie steht. Die beiden anderen schon, und dort liegt der gesamte Spielraum.
- Relevanz — wie gut Ihr Profil zu dem passt, was gesucht wird: Kategorie, Leistungen, Beschreibung, Beiträge.
- Bekanntheit — wie oft und wie stimmig Ihre Praxis im Netz auftaucht: Bewertungen, Erwähnungen, Verzeichnisse, Verlinkung von der eigenen Webseite.
Die Einrichtung: acht Felder, die zählen
1. Die Hauptkategorie
Das folgenreichste Feld im ganzen Profil. „Zahnarzt“ und „Kieferorthopäde“ führen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Wählen Sie die Kategorie, die Ihr Schwerpunkt ist, nicht die breiteste. Weitere Kategorien ergänzen Sie darunter — aber sparsam: Zehn Kategorien verwässern das Profil.
2. Name, Adresse, Telefon — überall gleich
Diese drei Angaben müssen auf Ihrer Webseite, im Impressum, im Unternehmensprofil und in jedem Verzeichnis zeichengleich stehen. „Str.“ hier und „Straße“ dort, eine Telefonnummer mit und eine ohne Ländervorwahl — für Google sind das Hinweise darauf, dass es sich womöglich um verschiedene Einrichtungen handelt. Uneinheitliche Angaben sind der häufigste stille Bremsklotz.
3. Öffnungszeiten, auch die besonderen
Pflegen Sie Feiertage und Urlaub ein. Google zeigt bei veralteten Zeiten den Hinweis „Öffnungszeiten können abweichen“ — und wer vor verschlossener Tür steht, schreibt darüber eine Bewertung.
4. Leistungen einzeln eintragen
Im Profil lassen sich einzelne Leistungen mit Beschreibung hinterlegen. Nutzen Sie die Begriffe, die Patienten verwenden — „professionelle Zahnreinigung“ statt „PZR“, „Zahnspange für Erwachsene“ statt „Aligner-Therapie“. Beides einzutragen ist zulässig und sinnvoll.
5. Fotos, und zwar eigene
Profile mit echten Fotos werden deutlich häufiger angeklickt als solche mit Stockbildern oder ohne Bild. Sinnvoll sind: Außenansicht mit Eingang (damit man die Tür findet), Empfang, Wartebereich, ein Behandlungsraum, das Team. Die Außenansicht wird unterschätzt — sie beantwortet die Frage „Bin ich hier richtig?“.
6. Die Beschreibung
750 Zeichen für das, was Ihre Praxis ausmacht: Schwerpunkte, Fachrichtung, Stadtteil. Keine Werbesprache, keine Heilversprechen — es gilt derselbe rechtliche Rahmen wie auf Ihrer Webseite.
7. Terminlink und Webseite
Verlinken Sie den Terminlink direkt auf Ihre Buchungsstrecke, nicht auf die Startseite. Jeder Zwischenschritt kostet Anfragen.
8. Fragen und Antworten vorbelegen
Der Bereich „Fragen und Antworten“ ist offen: Jeder kann fragen, und jeder kann antworten — auch Menschen, die nie bei Ihnen waren. Stellen und beantworten Sie die fünf häufigsten Fragen selbst, bevor es jemand anderes tut. Parkmöglichkeiten, Barrierefreiheit, Neupatienten, Wartezeit, Sprachen.
Bewertungen: der stärkste Faktor mit den engsten Regeln
Anzahl, Durchschnitt und Aktualität der Bewertungen wirken unmittelbar auf die Reihenfolge — und noch stärker auf die Entscheidung des Patienten. Zwei Praxen mit 4,6 und 4,8 Sternen trennt wenig; eine mit 12 und eine mit 180 Bewertungen trennt viel.
Was Sie nicht dürfen: Bewertungen mit Zuwendungen belohnen — kein Gutschein, kein Rabatt, keine Verlosung. Das verstößt gegen die Regeln zu Werbegaben im Heilberuf und gegen die Richtlinien von Google. Ebenso unzulässig: nur zufriedene Patienten gezielt zur Bewertung leiten und unzufriedene abfangen.
Was Sie dürfen: Alle Patienten gleichermaßen bitten. Wirksam ist der richtige Zeitpunkt — direkt nach dem Termin, an der Anmeldung, mit einem QR-Code auf einer Karte. Nicht per Serienmail Wochen später.
Auf Bewertungen antworten — auch auf schlechte
Antworten Sie auf jede Bewertung. Bei negativen gilt eine besondere Vorsicht: Bestätigen Sie niemals, dass die Person Patientin bei Ihnen war. Das ist bereits ein Bruch der Schweigepflicht. Antworten Sie allgemein, bieten Sie ein persönliches Gespräch an, gehen Sie nicht auf Behandlungsinhalte ein.
Rechtswidrige Bewertungen — Schmähkritik, unwahre Tatsachenbehauptungen, Bewertungen ohne jeden Patientenkontakt — können Sie bei Google melden und im Streitfall auf dem Rechtsweg entfernen lassen. Der Weg dauert, funktioniert aber.
Beiträge: der unterschätzte Teil
Im Profil lassen sich kurze Beiträge veröffentlichen — Neuigkeiten, Angebote im Sinne von Leistungshinweisen, Veranstaltungen. Sie erscheinen direkt im Profil und zeigen Google, dass die Einrichtung gepflegt wird.
Für Praxen eignen sich: Urlaubs- und Vertretungszeiten, neue Sprechzeiten, eine neue Kollegin im Team, ein neues Gerät, Hinweise zur Grippeimpfung in der Saison. Ein Beitrag im Monat genügt — es geht um Regelmäßigkeit, nicht um Menge.
Mehrere Standorte, mehrere Behandler
Zwei Situationen werfen regelmäßig Fragen auf:
- Zweiter Standort. Jede Adresse braucht ein eigenes Profil mit eigener Telefonnummer und einer eigenen Unterseite auf Ihrer Webseite. Zwei Profile auf dieselbe Seite zu verlinken schwächt beide.
- Mehrere Ärztinnen und Ärzte in einer Praxis. Behandelnde Personen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ein eigenes Profil führen. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob nach Namen gesucht wird — bei bekannten Operateuren ja, sonst selten.
Fünf Fehler, die Sichtbarkeit kosten
- Das Profil ist nicht bestätigt. Ohne Bestätigung sind viele Felder gesperrt, und Dritte können Änderungen vorschlagen.
- Zusätze im Namen. „Zahnarztpraxis Dr. Müller — Implantate Köln“ verstößt gegen die Richtlinien und kann zur Sperrung führen. Der Name ist der Name.
- Eine Handynummer als Hauptnummer. Die Festnetznummer der Praxis stützt den Ortsbezug.
- Verwaiste Doppelprofile. Nach einem Praxisumzug oder einer Übernahme existiert oft noch der alte Eintrag. Zwei Profile teilen die Bewertungen — melden und zusammenführen.
- Keine Antworten auf Bewertungen. Antwortquote und Aktualität sind sichtbare Signale für Patienten wie für Google.
Wie Profil und Webseite zusammenwirken
Das Unternehmensprofil steht nicht für sich. Google gleicht die Angaben mit Ihrer Webseite ab — und umgekehrt stützt das Profil Ihre Seite. Drei Verbindungen, die konkret wirken:
- Verlinken Sie das Profil von Ihrer Webseite, etwa unter den Bewertungen. Das verknüpft beide Auftritte sichtbar miteinander.
- Adresse und Öffnungszeiten maschinenlesbar auszeichnen. Strukturierte Daten sagen Google eindeutig, welche Einrichtung gemeint ist.
- Eigene Seiten je Leistung geben dem Profil inhaltliche Deckung: Was Sie im Profil als Leistung eintragen, sollte auf der Webseite eine Seite haben.
Was Sie diese Woche tun können
- Profil aufrufen und die Hauptkategorie prüfen — ist sie Ihr Schwerpunkt?
- Name, Adresse und Telefonnummer zeichengenau mit dem Impressum abgleichen.
- Fünf eigene Fotos hochladen, darunter die Außenansicht mit Eingang.
- Die fünf häufigsten Patientenfragen unter „Fragen und Antworten“ selbst einstellen.
- Eine Karte mit QR-Code an die Anmeldung legen — und ausnahmslos alle Patienten fragen.
Das Wichtigste in Kürze
Das Unternehmensprofil ist der einzige Kanal, bei dem eine Stunde Arbeit unmittelbar auf die Sichtbarkeit in Ihrer Region durchschlägt. Kategorie, einheitliche Kontaktdaten, echte Fotos und ein stetiger Zufluss an Bewertungen — mehr braucht es für die ersten Schritte nicht.



